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Archive for April, 2008...

Befragt: Birgitta Schenz zum Froschblog

Ein weiteres Posting aus der Interview-Reihe mit den Social Web Breakfast - Referenten. Diesmal mit Birgitta Schenz von Werner & Mertz zum Corporate-Blogging im Froschblog, welches Thema beim kommenden Social Web Breakfast in Frankfurt ist.

Interview

1) Fr Schenz, Sie werden beim kommenden Social Web Breakfast in Frankfurt einen kurzen Einblick in die Erfahrungen der ersten sechs Monate mit dem “Froschblog” geben. Mit welchen drei Schlagworten lassen sich die Erfahrungen zusammenfassen?
Überraschend großes Medien- Interesse an unserem Blog, die positive Grundstimmung der Leser unseres Blogs, spannend, welche Themen wie angenommen werden.
2) In einem Beitrag im Creditform-Magazin sprechen Sie von den Potentialen dieses direkten Austausches mit dem Kunden und der Angst der klassischen Unternehmenskommunikatoren vor der offenen Kommunikation. Wie offen ist Ihr Umgang mit dem Kunden? Schreiben Sie über alles - oder nur über das Positive in Ihrem Unternehmen?
Wir schreiben nicht in selbstanklagender Art und Weise über hausgemachte Probleme, sondern mit Offenheit meinen wir die Art und Weise wie wir mit kritischen Themen umgehen, die an uns herangetragen werden.
3) Sie wollen die Marke “Frosch” ja dennoch in einem positiven Licht darstellen bzw. dargestellt wissen? Wie gehen Sie mit öffentlich geäusserten Kritiken in Ihrem Blog um?
Wie eben erwähnt, gerade mit dem Umgang mit Kritik in unserem Blog, kann sich für den Leser die Offenheit in der Kommunikation beweisen.
4) Wo liegen die Herausforderungen für eine derartige Kommunikation?
Manchmal sind die Themen sehr vielschichtig und nur mit Detailwissen erklärbar. Viele Leser sind aber nicht bereit oder haben einfach nicht die Zeit einen langen, sehr differenziert ausformulierten Blogbeitrag zu konsumieren und wohlmöglich noch zu kommentieren.

Comments (0) Posted by Bjoern Negelmann on Tuesday, April 15th, 2008

Angefragt: Cem Basman zum Thema “Grassrooted Ventures”

Am kommenden Freitag diskutieren wir beim Social Web Breakfast in Hamburg mit Cem Basman über die Idee hinter dem “StartupWeekend”. Cem hat das Konzept hinter dem StartupWeekend in einem Blogbeitrag als “Grassrooted Ventures” bezeichnet und wird beim Breakfast seine Ideen zu diesem Thema erläutern. Wir haben ihn schon einmal vorab um Klärung angefragt.

Interview

Cem - Du wirst beim kommenden Social Web Breakfast in Hamburg ein kurzes Impulsreferat zum Thema “Grassrooted Ventures” geben. Mit welchen drei Tags kannst Du Deinen Beitrag belegen?
“Amateurs built the Ark; professionals the Titanic.” - Ein Satz, keine drei Tags :-)
Was steck hinter dieser Begrifflichkeit?
“Grassrouted Ventures” sind “Unternehmen von unten”. Es sind partnerschaftliche Unternehmen, die auf den Prinzipen der Weisheit, Kreativität, Arbeitskraft und dem Kapital der Massen beruhen. Also neudeutsch: Crowdwisdom, Crowdsourcing und Crowdfunding. Früher sagte man Genossenschaft dazu. Wobei wir heute mit dem Web ganz neue und weitere Möglichkeiten haben der Partizipation von Einzelnen an gemeinschaftlichen Vorhaben.
Ist dann jeder, der an der Idee mitgearbeitet hat, auch Anteilseigner der Unternehmung? Nun ist doch aber nicht jeder Input gleichwertig - wie ist das geregelt?
Ja. Im Projekt StartupWeekend ist jeder Teilnehmer, der vor Ort beim Event auch mitgewirkt hat, zu gleichen Teilen auch Teilhaber des Startups. Wir unterscheiden nicht nach der Menge und der Qualität des Inputs dabei. Alle Beiträge zum Gemeinwohl werden gemeinschaftlich genutzt. Dazu verpflichten sichg die Teilnehmer via der Teilnahmebedingungen.
Eine Unternehmensidee mit Hilfe des Crowdsourcing-Ansatz zu entwickeln, ist ja schön und gut - und der Prozess hat sicherlich ein größeres kreatives Potenzial als wenn kleine Teams oder Einzelpersonen ein Unternehmen kreieren. Aber irgendwer muss doch ab irgendeinem Punkt den Hut für die Umsetzung aufhaben. Wie geht das?
“Gesellschafter” sind das eine, das “operative Management” das andere. Das Management, das den Hut auf hat, wird aus der Menge der Teilhaber von ihnen gewählt. Jeder, der Manager des Startup sein möchte, muss sich vorher vorstellen und seine Motivation darstellen. das management bekommt konkrete Ziele von der Gesellschafterversammlung. Wie bei jedem Unternehmen auch. Auch vergleichbar mit Aktienunternehmen insbesondere.
Siehst Du in diesem Ansatz eine substantielle und langfristige Entwicklung?
Ja. Mein Partner Jason und ich sind gerade dabei ein entsprechendes Gründernetzwerk zu organisieren.

Comments (0) Posted by Bjoern Negelmann on Tuesday, April 1st, 2008

Befragt: Frank Fischer (Tech Evangelist Manager bei Microsoft) zum Thema “Corporate Evangelism”

Am Mittwoch, den 16.04., haben wir Frank Fischer zum Social Web Breakfast nach München eingeladen. Frank Fischer ist der “Chef” der Technologie-Evangelisten bei Microsoft Deutschland und er wird ein wenig über die Tätigkeit des Evangelisten berichten. Im Vorfeld zur Veranstaltung haben wir ihn schon einmal befragt:

Interview

Hr Fischer, was ist “Corporate Evangelism” und was macht ein “Corporate Evangelist”?
Der Begriff Evangelism wurde geprägt von Ben McConnell, Jackie Huba und Guy Kawasaki. Man wählte den Begriff Evangelist aus dem ursprünglichen Wortstamm “eine gute Nachricht bringen”. Wie zu vielem so gibt es auch hier einen Wikipedia-Eintrag http://en.wikipedia.org/wiki/Evangelism_marketing.
Was ist nun der Unterschied eines Evangelisten zu einer Werbetrommel auf zwei Beinen? “Advertising is about me, evangelism is about you” Die Aufgabe des Evangelisten ist, eine Art von Prozess zu durchlaufen: Erst einmal Zuhören und Verstehen. Was sind Bedürfnisse und Probleme, die Menschen als einzelne oder Gruppe haben. Das Schöne ist, dass es immer wieder auf Menschen zurückkommt. Auch der größte Mega-Konzern besteht letzen Endes aus Menschen.
Der zweite Schritt ist, auf Basis von profundem Fachwissen und natürlich dem Wissen über die Vision und Philosophie der eigenen Firma abzuwägen, was davon können wir heute oder absehbarer Zukunft adressieren. Manchmal können wir auch nicht und dann muss man das auch sagen. Aber meistens haben wir ganz gute Ideen und das ist wirklich das, was diesen Beruf ausmacht: Man darf hier kreativ sein, nach vorne denken.
Zum Schluss, Teil drei: Sei laut und rede von den Ideen. Zeige Vision, sei kreativ, realistisch, amüsant, denke um die Ecke und begeistere. Begeistere Menschen von diesen Ideen, dass sie ihre Begeisterung weitertragen. Das ist die Oberfläche, die man sieht: Evangelisten als Redner auf Konferenzen, in Webcasts oder Videos, als Autoren von Artikeln bis hin zum Fernsehen. So einfach ist das…
Ich denke, hier wird auch der Unterschied zur Werbung klar: Wir sollen langfristig im Sinne des Anwenders denken. Vieles über das wir reden ist Zukunft, d.h. wenn sie mir nicht glauben was ich sage, stehe ich auf verlorenem Posten. Menschen merken sofort wenn ich nur in meinem Sinne spreche und sie werden es nie wieder vergessen. Das zwingt mich einfach sehr offen und ehrlich zu sein.
Evangelisten sind daher kurzfristig für eine Firma eine teure Investition, zeigen aber ganz klar, dass man längerfristig denkt und am Aufbau von ebensolchen Beziehungen interessiert ist. Evangelisten sind sicher Vorboten einer neuen Form von Marketing, nicht zu verwechseln mit Werbung, ich meine echtes Marketing.
Ist das nicht eine neuer Form der Manipulation - der Evangelist “schleicht” sich in die Gruppe potentieller Multiplikatoren ein und versucht sich und das jeweilige Produkt in Szene zu setzen?
Einschleichen setzt voraus, dass man nicht offen sagt, woher man kommt. Hätten wir so etwas wie einen Berufsethos (mag sein, dass sowas mal irgendwann kommt, ist ja schließlich ein sehr junger Beruf) würde er dies wohl verbieten. Außerdem gilt auch hier: Einmal aufgedeckt - was bei jemandem, der viel auf Konferenzen spricht oder auf Videos im Internet zu sehen ist, nicht wirklich schwer fallen sollte - macht man mehr kaputt wie gut.
Nein, unser Job ist ein anderer. Wir hören zu und erzählen gerne. Wo möglich vergleichen wir auch mit alternativen Angeboten, versuchen aber explizit nicht zu werten. Das überlassen wir unserem Gesprächspartner.
Gerade als Mitarbeiter von Microsoft ist dieser Beruf extrem spannend. Microsoft polarisiert, ist Nikolaus und Prügelknabe: Man darf sich alles wünschen (”Wer, wenn nicht Microsoft könnte xyz machen??” und macht nat?rlich xyz nicht, weil es boshaft sein will…) und Microsoft macht alles falsch (”Ihr habt das Web verpennt!!”). Aber gerade das macht das Leben des Evangelisten leichter: Wir sollen laut sein und man kann sehr gut laut sein, wenn man mit einem Microsoft-T-Shirt auf einer Linux-Konferenz spricht. Ich bin vor 4 Jahren in einer Uni vor einen Hörsaal voller Studenten getreten und sollte zum Thema IT Security sprechen. Auf dem Weg nach vorne habe ich unter den Bänken Transparente, Papierflieger und Farbbeutel gesehen. Damals hat das Thema NGSCB oder Trusted Computing die Gemüter erregt und Microsoft war mitten drin. Als ich vorne war, habe ich als erstes ohne ein Wort zu sagen demonstrativ meinen Rechner zugeklappt, eine Tafel hochgezogen und die Frage gestellt, ob jemand sich für Trusted Computing interessiert und mal ein paar technische Fakten dazu hören möchte. Dann habe ich mit Kreide und viel Diskussion die nächsten zwei Stunden verbracht. In meiner Offenheit und Verletzlichkeit habe ich wohl erst einmal verblüfft. Dadurch hat man aber einfach mal zugehört. Das heißt nicht, das mir alle rundweg zugestimmt haben, sie waren weiter kritisch. Aber anstatt mich als der natürliche Feind alles Lebendigen zu sehen, somit alle Argumente mit diesem Absender ungesehen vom Tisch zu wischen, wurde mir zugehört. Nur wer schlechte oder keine Argumente hat, muss die Diskussion in solch einem Rahmen fürchten. Mein Resumee: Erstens habe ich mich selten so wohl gefühlt in meinem Job, zweitens hätte ich dies nie durch “Einschleichen” erreichen können.
Welche Bedeutung hat das Thema “Evangelism” im Marketing-Plan von Microsoft?
für meinen Geschmack: Eine noch zu kleine. Evangelismus ist zusammen mit anderen Dingen ein Zeichen einer neuen Form des Marketing und haben darin drei wesentliche Aufgaben.
Erstens: Evangelisten können einen Kreislauf bilden zwischen Anwender und Hersteller. Ein Beispiel: Wir haben viel mit Hostern und Mietern von Servern bei Hostern gesprochen, wo typische Probleme beim Einsatz von Windows in diesem Bereich liegen. Uns ist aufgefallen, dass es eigentlich eine Kleinigkeit ist, aber sie fehlt und ist wichtig. Daraufhin haben wir zweierlei getan: Wir haben diese Kleinigkeit programmiert und als quellfreie Software zum Download gestellt. Mit diesem Beispiel sind wir an die Produktgruppe von Windows herangetreten und konnten sie für diese Lösung interessieren. Und, wir haben diese Lösung zurück auf den Markt gebracht, sprechen darüber was wir wie getan haben und welche Vorteile man sonst noch so haben kann mit Windows.
Dies ist für mich die nächste Form des Marketing: Den “Markt” verstehen. Das Verstandene umsetzen und dann zurück auf den Markt bringen. Hier bringen Evangelisten eine unglaubliche Agilität in einen riesen Konzern.
Zweitens: Dazu geben sie dieser Firma ein Gesicht, das auch mal Ecken und Kanten hat, das sympathisch ist. Firmen machen Fehler, Microsoft ist da keine Ausnahme. Ich glaube aber, dass man bereit ist Firmen eine zweite Chance zu geben, wenn man weiß, da gibt es eine oder einen, der denkt wie ich und kämpft für meine Sache. Und ich weiß wie der heißt, wie er aussieht.
Drittens: Meine Erfahrung ist, dass sehr viele Menschen ganz logisch in der Denkwelt des Heute gefangen sind. Manche sprechen vom Stockholm-Syndrom - eine Geisel sympathisiert mit dem Geiselnehmer. für eine Firma wie Microsoft ist es aber überlebensnotwendig, dass man sich mit neuen Technologien und Denkansätzen beschäftigt. Nehmen wir mal als Beispiel eine Technologie wie Windows Presentation Foundation, ein Ansatz, mit dem Benutzeroberflächen vom Designer deklarativ erstellt werden und vom Entwickler mit Code unterlegt werden können. Das ist einfach, multimedial, 3D… wenn man sich die Dimensionen klar macht, einfach wow. für den Programmierer, der mit Windows 3.11 groß geworden ist, ist das erst mal heftig. Typischerweise waren Benutzeroberflächen sekundär und Designer mit gewissen unvorteilhaften Klischees behaftet. Jetzt kommt die Aufgabe des Evangelisten: Erklären, die Vision und die Möglichkeiten aufzeigen, das Thema so in die Denkwelt des Gegenüber projizieren, dass man den Nutzen erkennt, Lust auf Mehr bekommt, kreativ wird. Das ist gut für den Anwender und damit auch gut für Microsoft, weil wir Menschen finden, die unsere Technologie zur Basis ihrer Ideen machen.
In welchem Zusammenhang steht “Corporate Blogging” und “Corporate Evangelism”?
Blogging könnte von einem Evangelisten erfunden worden sein. für mich ist jede Evangelistin oder Evangelist ein klein wenig eine Marke innerhalb des Markenuniversums, das man mit Microsoft in Verbindung bringt. Das Blog ist ein sehr zentraler Kanal, der diese Marke schärft und pflegt. Daher hat in meinem Team jeder Evangelist ein Blog.
Evangelisten sollen laut sein, sie sollen hilfreich und sympathisch sein, ansprechbar, individuell, vertrauenswürdig, agil… alles das kann ein Blog transportieren.
Wir haben uns angewöhnt unsere Blogs zu bidirektionalen Kanälen zu machen, Feedback einzufordern. Wir haben gelernt, das Blogs sehr gut funktionieren, die einen gewissen Themenbereich fokussieren und dort redaktionellen Mehrwert liefern. Ein Teil des Mehrwerts ist die Meinung des Schreibers, die darf nicht zu kurz kommen. Ein plattes Kopieren von Marketing-Texten tötet jeden Blog, weil man den Leser nicht ernst nimmt. Marketing-Texte im Blog sind ok, wenn es ein Marketing-Texte-Blog ist.
Evangelisten ohne Blogs kann ich mir nicht gut vorstellen.

Comments (0) Posted by Bjoern Negelmann on Tuesday, April 1st, 2008

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