Trends im E-Commerce – von Matthias Schrader erklärt!

Am vergangenen Mittwoch haben wir unser Social Commerce FORUM 2009 zum Thema “Fashion & Lifestyle” in Bad Homburg abgehalten und dabei in verschiedenen Vorträgen und Diskussionen den aktuellen Status-Quo und die Entwicklungen zum “Fashion Commerce” diskutiert. In den nächsten Beiträgen möchte ich an dieser Stelle einige interessante Aspekte der Veranstaltung hier noch einmal zusammentragen und diskutieren.

Den Start machte Matthias Schrader (@mattesmattes) mit einer spannenden Einführung in das Thema – er zeigte insbesondere drei Trends auf, die den E-Commerce im Allgemeinen und den E-Commerce im Bereich Fashion & Lifestyle im Speziellen auszeichnen:

Trend 1: Rennaissance im E-Commerce – den Flopp der ersten Konzepte (aufgrund fehlender Masse bei den Kunden im Netz) zu Zeiten der New Economy musste das Management in vielen Unternehmen erstmal in einer Zwischen-Eiszeit bis 2006 verkraften – nun wird wieder investiert. Bestehende Anbieter “renovieren” und “experimentieren” wieder – und setzen dabei auf intensive Produktinszenierungen und neue Innovationen (bspw. Esprit)-, “verschwundene” Anbieter (wie C&A) kommen wieder, Marken wie Ecco treten direkt in den E-Commerce ein. Die Herausforderungen dieser Player liegt dabei vor allem darin, wie sie eine kritische Masse in den kommenden drei Jahren aufbauen, um exzellenten E-Commerce (mit funktionierenden Prozessen und guter Produktinszenierung) von Google bis zur Haustür profitabel umsetzen zu können.

Trend 2: Get Realtime – neben der klass. Bedarfsbeschaffung gibt es im heutigen E-Commerce auch den Trend zu Online-Verkaufsinszenierungen, die von den Elementen der Verknappung und der Verkaufsaktion leben. Hierzu zählen die Shopping-Clubs und Woot!-Konzepte. Treibendes Element dieses Trends ist die Tendenz der User, das Web als Echtzeit-Medium zur Interaktion mit anderen Nutzern zu verstehen. Die Kaufaktion wird dabei stark durch eine Erlebnisfunktion getriggert und geleitet. Die Herausforderung der Angebote in diesem Bereich liegt nach Matthias’ Ansicht in der “Lösung des Beschaffungsproblem bei gleichzeitiger Vermeidung des Newsletter-Burnouts” – damit meint er, dass die Shopping-Clubs zumeist nur B- & C-Marken anbieten können und ihre Nutzer über Direktmails immer wieder zur Teilnahme auffordern müssen. Mögliche Konkurrenz für diese Konzepte könnte durch die E-Commerce-Bestrebungen der Outlet-Villages entstehen.

Trend 3: Share Economy – Teilen als Grundprinzip des Internets und der darauf basierenden Geschäftsmodelle – dies war das Motto der diesjährigen next09, der Internet-Konferenz von SinnerSchrader. Im E-Commerce sieht Matthias vor allem Inhalte und User-Netzwerke, die geteilt werden können und mit denen eine Wertschöpfung geschaffen werden kann. Bei den Inhalten in Form von Bewertungen, Empfehlungen oder Sortimentsgestaltungen zieht er allerdings ein “gespaltenes Fazit”. Am Beispiel von smatch zeigte er auf, dass diese neuen Plattformen immens inspirierend im Hinblick auf den Produktzugang und die Produktauswahl sein können – allerdings dann oftmals vergessen, dass Mode mehr ist als “Form, Farbe und Preis”. Für die Produktinszenierung fehlen oftmals ausreichende Produktdaten und Bilder, die Verfügbarkeit der Produkte ist ungenau und der soziale Kontext ist auch vielfach unzureichend. Denn insbesondere für den schnelllebigen Modemarkt sind Produkte oftmals schon “out of date” bevor sie ausreichend “rezensiert” und bewertet sind. Es fehlt immer wieder an der kritischen Masse. Potentiale sieht er vielmehr auf der Community-Seite – allerdings weniger beim Aufbau eigener Community-Portale für Retailer als vielmehr in der Integration des “Social Graph” in die E-Commerce-Anwendung. Er empfiehlt, dass Unternehmen im E-Commerce eher auf externe, portable Netzwerke setzen sollten als eigene aufzubauen – denn Communitys entstehen um starke Marken und spitze Themen, aber die Nutzer suchen ihren Weg selbst dorthin und das in der Regel nicht auf E-Commerce-Sites. Als Potentiale sieht er hier die Möglichkeit, über die Identifikation und Incentivierung von Multiplikatoren schnell große Massen zu erreichen, Mehrwerte über die Priorisierung von Marken aufgrund von Profilinformationen zu generieren und auf den “Social Graph” im Rahmen der Kaufberatung zurückzugreifen.

Hier mal das komplette Video zum Vortrag von Matthias sowie zur anschliessenden Diskussion mit Hagen Fisbeck (@hagen) und Jochen Krisch (@jkrisch):

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Als mein Fazit aus diesem interessanten Vortrag und der Diskussion mag ich folgende Punkte zusammenfassen:

  • E-Commerce ist nicht in der Krise – schon gar nicht im Mode-Bereich
  • Excellentes E-Commerce im Modebereich bedeutet zunächst einmal eine saubere Prozessabbildung (“von Google bis zur Haustür” / Matthias Schrader) plus eine fesselnde Produktinszenierung.
  • Wenn man Social Commerce auf Bewertungen reduziert, dann ist das zu kurz gegriffen. (Jochen Krisch)
  • Potentiale von Social Commerce im Modebereich bieten Echtzeit-Verkaufsinszenierungen und die Integration von portablen Netzwerken

Die Diskussion werden wir sicherlich beim Fashion Commerce FORUM in Teilen fortsetzen.